RLS-19 vs. Realität
- Kevin On

- vor 5 Tagen
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Die Richtlinien für den Lärmschutz an Straßen, Ausgabe 2019 (RLS-19) bilden unsere Realität immer weniger ab! Warum bald eine Aktualisierung erforderlich ist.
Die RLS-19 wird heute von Schallgutachtern zur Berechnung des Straßenverkehrslärms angewendet und ist bewährter Standard. In den RLS-19 wurden messtechnische Untersuchungen der Geräuschemissionen von Personenkraftwagen (Pkw) und Lastkraftwagen (Lkw) berücksichtigt. Die RLS-19 enthalten Emissionsansätze für die Lärmberechnung des Straßenverkehrs auf Grundlage der deutschen Fahrzeugflotte von damals.
Doch die aktuelle Entwicklung der deutschen Fahrzeugflotte zeigt deutlich: Der Geräuschpegel vorbeifahrender Pkw hat sich seit 2011 und 2012 kaum verändert, aber die Zusammensetzung der Flotte wandelt sich rasant.
Hybride und Elektrofahrzeuge nehmen stark zu und liegen im Mittel rund 1 dB unter klassischen Verbrennern. Dank staatlicher Elektroautoförderung wird sich dieser Trend weiter verstärken. Das bedeutet: Die RLS-19 bildet schon heute nicht mehr präzise ab, was tatsächlich auf unseren Straßen passiert und diese Lücke wird von Jahr zu Jahr größer.
Besonders kritisch ist der Bereich unter 30 km h. Genau dort spielt sich moderne urbane Mobilität ab, zum Beispiel in Wohnquartieren, Mischgebieten und Kerngebieten. Elektrofahrzeuge unterscheiden sich hier deutlich vom Verbrenner.
Besonders die Zuschläge der RLS-19 für Lichtsignalanlagen und Kreisverkehre passen nicht mehr zu E-Fahrzeugen, da deren Anfahrverhalten und Geräuschemissionen erheblich abweichen.
Die Annahmen der RLS-19 bilden die Realität daher immer ungenauer ab.
Als Sachverständiger sehe ich täglich, wie Projekte durch veraltete Regelwerke und Vorgaben unnötig erschwert werden.
Wenn wir belastbare, glaubwürdige und zukunftssichere Schallprognosen wollen, müssen wir jetzt umdenken. Stimmen Sie mir zu?


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